Der Scharfmacher

Peperoncino - In Italien feiert die rote Schote ihr Comeback als Heilmittel und Aphrodisiakum.

Von Michaela Namuth

Früher war Enzo Monaco Journalist. Jetzt hat er seinen Beruf an den Nagel gehängt und interessiert sich nur noch für ein einziges Thema: die Pfefferschote. Monacos Buch "Seine Majestät, der Peperoncino" gilt in Italien als Bibel einer stetig wachsenden Gemeinschaft, die der scharfen Schote verfallen ist. "Der Peperoncino ist nicht nur ein simples Küchengewürz, sondern ein Kulturgut", behauptet der 59-jährige Süditaliener. In seinem Buch erzählt er die Geschichte der Schote, die einst von Christoph Kolumbus nach Europa gebracht wurde. Er listet aber auch ihre wundersamen Eigenschaften auf: Sie kann Krankheiten heilen, Haarausfall stoppen, und beim Sex soll sie noch schärfer als Viagra machen.

Signore Monaco ist aber nicht nur Buchautor, sondern vor allem Präsident der von ihm gegründeten Accademia Italiana del Peperoncino. Der Verein organisiert Feste und Ausstellungen, die die heisse Schote als kulinarisches und kulturelles Phänomen zelebrieren.

Doch auch andere sind auf die Pfefferschote gekommen. Italiener von links bis rechts haben sich zu einer scharfen Allianz zusammengetan und betreiben derzeit einen regelrechten Kult um den Peperoncino. Die beiden kommunistischen Parteien Italiens haben ihn im vergangenen Jahr zum pfeffrigen Symbol ihrer Sommerfeste gemacht. Und der rechtsnationale Politiker Francesco Storace erklärt im Fernsehen, dass er seine überflüssigen Pfunde mit einer Peperoncino-Diät bekämpft. Die Mediziner zweifeln zwar an der Effizienz dieser Methode, aber immerhin preisen sie die Schote als natürliches Heilmittel. "Das Peperoncino kann zur Vorbeugung gegen Infarkte und Arteriosklerose eingesetzt werden", erklärt Bruno Amantea, Dozent an der Universität der kalabrischen Stadt Catanzaro.

Die Südregion Kalabrien ist das Zentrum des Peperoncino-Booms. Kein Wunder: Der Grossteil der Schoten, die von den Italienern fast in derselben Menge verzehrt werden wie Salz, kommt aus dieser Gegend. Auch der Hauptsitz von Enzo Monacos Akademie liegt in Kalabrien, in der Nähe der Stadt Cosenza. Doch jetzt will er seinen gemeinnützigen Verein, der bereits über 5000 Mitglieder zählt, internationalisieren. In Tokio setzt sich schon eine italienische Restaurant-Kette für seine Sache ein. Die nächste Etappe der Pfefferschoten-Fans ist Bern. Auch dort sind es Italiener, die eine Filiale des Vereins gründen wollen. Im Juni wird es ein Peperoncino-Fest in Torlezza am Comer-See geben. Monaco hofft, dass bei dieser Gelegenheit auch der eine oder andere Eidgenosse an der Schote schnuppert.

In der Schweiz, wo der Peperoncino als Küchenexot noch eine Randexistenz fristet und meist nur als "Paprikapulver" ins Gulasch kommt, können Monaco und seine Mitstreiter jede Menge Aufklärungsarbeit leisten. Fraglich ist allerdings, ob gepfefferte Rezepte wie "La torta del diavolo", die mit einer Peperoncino-Konfitüre bestrichen und als Beigabe für eine stürmische Liebesnacht empfohlen wird, auch hier zu Lande Nachahmer finden.

Enzo Monaco glaubt dennoch fest an den internationalen Siegeszug der Pfefferschote, und er hat sich dafür schon bestens gerüstet. Die Website des Vereins wird derzeit in mehrere Sprachen übersetzt. Eine Merchandising-Kollektion gibt es auch schon. Der Renner: ein Kugelschreiber mit Peperoncino-Spezialbehälter für alle, die ihr Kantinenessen gern etwas aufpeppen.

Pfefferschote: Für eine stürmische Liebesnacht empfohlen.

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